Vor drei Tagen hat der YouTuber "Rezo" ein Video hochgeladen in dem er mit der Presse und Verschwörungstheoretikern abrechnet. Was ich davon halte...

Normalerweise ist der YouTuber "Rezo ja lol ey " eher für peinliche Fragespiele oder alberne, kleine Videos bekannt. Doch der Monat Mai scheint es dem YouTuber besonders angetan zu haben. Vor einem Jahr erlangte Rezo mit seiner Kritik an CDU (und SPD) bundesweit aufmerksam. Nun hat er mit Medien und Verschwörungstheoretikern abgerechnet. Die Frage ist nur: Zurecht?

Merkel will Grundrechte abschaffen, Bill Gates hat das Coronavirus erfunden und will uns allen Chips einimpfen, um die Weltherrschaft zu erlangen. Ja, auch ich habe solche Verschwörungstheorien in den letzten Wochen und Monaten zu genüge gehört. Laut Rezo gibt es für die Häufigkeit dieser Verschwörungstheorien eine Ursache. Die Medien.

Ich spreche von Vertrauen. Und zwar dem fehlenden Vertrauen in die seriöse Presse. Und zwar nicht nur von Extremisten oder Wutbürgern oder Verschwörungsgläubigen.
Rezo | YouTuber

Rezo macht seine Behauptungen unter anderem an seinen YouTube Kollegen fest. Manche würden auf Presseanfragen gar nicht erst antworten. Und das liegt laut dem YouTuber an Missständen, die es in der Presse-Branche gibt.

Click-Baiting

Für mich war es schon ein bisschen Ironisch zu sehen, dass Rezo sich ausgerechnet am Anfang einen "Missstand" vornimmt, deren Klischee der 27-Jährige eigentlich auch sehr gut bedient. Das Click-Baiting. Oder, wie es im Pressejargon heißt: "Die reißerische Überschrift". Die Überschrift wird dann mal so formuliert, dass man eine Zeitung eher kauft oder einen Artikel eher liest. Ob der Inhalt nun stimmt oder nicht, ist dabei zweitrangig. Und laut Rezo kommt das ziemlich oft vor.

Ich könnte ein gesamtes Video nur über die Unwahrheiten von Zeitschriften machen.

Sicher, der 27-Jährige macht das alleine mit dem Titel "Die Zerstörung der Medien" selbst. Denn eigentlich müsste der Titel lauten "Die Auseinandersetzung mit den Medien". Das klingt dann wohl zu langweilig und würde keine Klicks produzieren. Das Positive ist aber, dass der YouTuber versucht zu differenzieren, widerlegt Artikel und zeigt auf, dass diese wissentlich gefälscht wurden. Und er erklärt, dass die Boulevard-Konzerne damit noch Millionen, wenn nicht sogar Milliardengewinne machen.

Die eigene Reichweite zu missbrauchen, um Menschen zu desinformieren, lohnt sich in unserer Gesellschaft enorm.

Opferschutz

Tatsächlich spricht Rezo im nächsten Teil des Videos einen wunden Punkt der Pressearbeit an, mit dem ich mich selbst fast täglich auseinandersetzen muss. Wie schafft man es, die Neugier der Leser zu befrieden und trotzdem die Rechte jedes einzelnen in einer Gesellschaft zu schützen? Wie berichtet man also über Unfälle, Straftaten oder sogar Mord, muss man Kennzeichen und Personen unkenntlich machen. Ganz ehrlich: Meine Devise ist, dass man besser einmal zu viel zensiert, als zu wenig. Aber, da hat Rezo recht, so machen es eben nicht alle Medienhäuser oder Pressevertreter. Der 27-Jährige hat eine ganze Liste voller unverpixelter Fotos von Opfern zusammengetragen. Aber auch versehentliche Nippel- und Höschenblitzer oder die Bekanntgabe von persönlichen Daten verurteilt der YouTuber. Meinen Applaus hat er sich an dieser Stelle schon verdient.

Missachtet und misstraut weiterhin diesen Journalisten, aber übertragt das Verhalten bitte nicht auf die seriösen Medien.
Rezo | YouTuber

 Transparenz

Rezo bittet aber nicht nur die Leser um Mithilfe. Vielmehr sollen auch andere Medienhäuser dieses Vorgehen ihrer Kollegen scharf kritisieren. Wenn die Boulevardmedien zudem noch häufig zitiert werden, schaffe dies ein intransparentes Bild für die eigenen Nutzer, so der 27-Jährige. 

Faktencheck

Der wohl beeindruckendste Abschnitt des knapp einstündigen Videos ist wohl die eigentliche Abrechnung von Rezo. Der 27-Jährige hat eine Großzahl aller Presseartikel über seine Person nach Falschaussagen analysiert. Er unterlegt seine über 1.700 recherchierten Artikel mit einer individuellen Quote für jeden Verlag und jedes Medium und fasst zusammen:

Natürlich ist es unmöglich, völlig fehlerfrei zu sein. (...) Es gibt massive Unterschiede zwischen den Zeitungen, aber das ist auch keine absolute Metrik.

Fazit 

Ich finde, Rezo hat den Nagel ziemlich gut auf den Kopf getroffen. Die Analyse ist stichhaltig, die Quellenangabe lückenlos. Selbst seine eigeneZeitungskolumne hat der 27-Jährige erwähnt. Was bleibt ist wohl der Appell zum Schluss des Videos. Kritisiert Medien, glaubt nicht alles, was drin steht und nur weil die einen fehlerhaft berichten, machen das nicht alle.

Hier geht es zum Rezo-Video "Die Zerstörung der Presse"