Die Region Lombardei in Norditalien ist gerade im Ausnahmezustand. Schulen und Theater haben geschlossen. Die Supermärkte sind brechend voll, Wasser ist Mangelware. Auch Mailand - 60 Kilometer von der Lombardei entfernt - ist betroffen. Ich befinde mich mitten in der Metropole.

5D383FC5 51C1 4868 8462 68AB70581B49Ich würde die Stimmung in Mailand mal als angsterfüllt beschreiben. In der U-Bahn tragen viele Passagiere einen Mundschutz oder halten sich einen Schal vors Gesicht. Bei jedem Husten oder Niesen schauen die Menschen gleich hoch und wirken verunsichert. In einem Supermarkt war es gestern brechend voll. Eine halbe Stunde lang musste ich an den Kassen anstehen und kam ins Gespräch mit einer Ärztin, die im städtischen Krankenhaus arbeitet. „Das ist nicht normal“, bestätigte mir die Frau den Zustand der Stadt und im Supermarkt. Hamsterkäufe nennen wir sowas in Deutschland. Sogar ein Fußballspiel der Mailändischen Mannschaft wurde abgesagt. Das beschreibt den Zustand eigentlich ganz gut. „Wir sind halt ein verrücktes Land“, fasst es die Ärztin zusammen. Die Hysterie kann sie sich nicht erklären. „Im Moment ist die Sterblichkeitsrate geringer als bei einer normalen Grippe, nämlich unter einem Prozent. Wenn man sich nicht gegenseitig anhustet, kann nichts passieren.“ Und trotzdem habe die Menschen ein anderes Gefühl. Als würde gerade die Welt untergehen oder der Untergang kurz bevorstehen.

 

Mehr lesen?