Der Unternehmerverband Weißeritztal feiert Jubiläum. Ex-Bundespräsident Joachim Gauck ist als Gast eingeladen. Doch bevor es zur großen Feier in ein altes Industriegelände geht, besucht der 78-Jährige das Technologiezentrum im Stadtkern von Freital. Hinter verschlossenen Türen wird über Firmenansiedlungen, regionale Entwicklung und die Schwierigkeiten bei der Fachkräftegewinnung geredet.

Nach ungefähr einer Stunde geht die Tür auf. Joachim Gauck läuft fast schon strahlend raus und stellt sich locker zu mir an den Tisch. Seine persönlichen Assistenten haben den Ex-Bundespräsidenten sozusagen "vorgewarnt", dass ich mit Mikrofon und einem langen Fragenkatalog warte.

Gauck fasziniert von Freital

Wir reden über seinen ersten Besuch in Freital. Er zeigt sich fasziniert von den technischen Innovationen, die hier gemacht wurden. Die Gasbeleuchtung soll beispielsweise in Freital erfunden worden sein, erzählt Gauck und fragt wissbegierig nach weiteren Innovationen "made in Saxony". Er wirkt generell auf mich, als würde er seine Lebensaufgabe noch nicht erfüllt haben. Trotz seiner gut fünf Jahr im höchsten Amt der Republik. Und tatsächlich bestätigt mir Gauck, er suche noch nach Situationen, in denen er merkt: "nicht der Frust regiert das Land, sondern das Gelingen".

Wir reden locker über Unterschiede zwischen DDR und BRD, vor allem über seine persönlichen Erlebnisse. Das alles wirkt für mich komischerweise nicht fremd, sondern als ob mir ein Verwandter seine Geschichten erzählt. Gauck wirkt nahbar und doch irgendwie angespannt. Seine Sicherheitsbeamten drängeln etwas, schauen immer wieder auf die Uhr. Die nächsten Termine stehen an. Nach gut sieben Minuten stelle ich dann die letzte Frage: "Das heißt, ohne die DDR gäbe es viele Probleme im Osten nicht?". Ein klares "Ja"kriegt der 78-Jährige zwar nicht heraus, dafür findet Gauck, dass Sachsen mithalten kann und er sich davon immer wieder gerne überzeugen lässt.

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