Noch stehen die Maschinen in der Gemeinde Ralbitz-Rosenthal-Rosenthal still. Erst ab der kommenden Woche soll sich der Bohrer dann Schritt für Schritt durch den Granit bohren und so eines der wichtigsten Geheimnisse der Lausitzer lüften. Nämlich, ob der Granit geeignet wäre, um ein gigantisches Forschungslabor in 200 Metern Tiefe zu errichten. Das ist die Vision des Deutschen Zentrums für Astrophysik.

"Der Boden ist Gold"

Geplant ist ein hallenartiges Tunnelsystem von zehn mal zehn mal zehn Kilometern. Durch die Länge könnten Unmengen an Daten gewonnen werden. Der Tunnel soll durch eine geschlossene Granitformation in rund 200 Meter Tiefe getrieben werden. Benötigt wird ein erschütterungsfreies Umfeld für die Forschungen. Ob das der Fall ist, soll die Probebohrung klären. Die seismischen Bedingungen in der Oberlausitz seien hervorragend, sagte der Forschungsdirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA, Günther Hasinger.

Die Geräte könnten dann Gravitationswellen messen, die Aufschluss über das Universum geben. Zum Beispiel über Aktivitäten der Sonne oder schwarze Löcher. Um die Gravitationswellen zu messen, muss das Gerät auf festem Boden stehen. Für die Wissenschaftler ist der Granit in der Lausitz dafür besonders geeignet, auch weil das sorbische Gebiet sehr ursprünglich geblieben ist. Außerdem habe die Oberlausitz eine lange Bergbautradition, die nun eben anders genutzt werden könnte.

Pläne, Pläne, Pläne

Neben einem Technologie- und Großrechenzentrum in Görlitz soll im Städtedreieck Bautzen – Kamenz – Hoyerswerda eine unterirdische Anlage für einen Teilchenbeschleuniger und in einem späteren Schritt ein Gravitationsteleskop errichtet werden. In Görlitz soll ein Rechenzentrum errichtet werden. Dort sollen Datenströme weltweiter Großteleskope einlaufen, gebündelt und verarbeitet werden.

Untergrund-Labor soll auf jeden Fall kommen

Ein Teil des gigantischen Untergrundlabors soll unabhängig von dem Teleskop umgesetzt werden. Beispielsweise sollen im ruhigen Untergrund von Ralbitz-Rosenthal Methoden entwickelt werden, kaum wahrnehmbare Erschütterungen auszugleichen. Bei der Arbeit mit winzigen Chips wird dies in der Halbleiterindustrie in Zukunft immer wichtiger. Eine Entscheidung über den Standort soll noch im Herbst erfolgen. 2026 wird dann auch eine Entscheidung fallen, ob das sogenannte Einsteinteleskop für etwa 1,7 Milliarden Euro in Sachsen errichtet wird.

Kontakt