FLORIAN GLATTER

Videoproduzent | Moderator | Journalist

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Bis 2044 darf der Tagebau Turow an der deutsch-polnischen Grenze in der Nähe von Zittau weiter betrieben werden. Das hat die polnische Umweltbehörde mitgeteilt. Schon jetzt ist der Protest aus der Bevölkerung groß. Und es könnte noch schlimmer werden - befürchten Anwohner - denn der Tagebau soll erweitert werden.

Das Kraftwerk TurowGroße Baggerschaufeln werden geliefert, als wir den Tagebau Turow (aus sicherer Entfernung) filmen. Betreten dürfen wir das Gelände nicht. Ein Interview will auch keiner geben. Und trotzdem sprechen die Geschehnisse für sich. Man bereitet sich gerade vor. Und zwar den Tagebau Turow weiterzubetreiben. Schon jetzt hat das Tagebau-Loch für mich gigantische Ausmaße. Der Energiekonzern PGE will aber nicht nur immer tiefer, sondern auch immer weiter baggern. Zwei Gebirgsketten sollen dafür weichen. Fördermenge: Rund 300 Kilogramm Kohle pro Sekunde. Ungefährer zusätzlicher CO2-Ausstoß durch die Verstromung im nahegelegenen Kraftwerk: 100 Millionen Tonnen pro Jahr.

Anwohner starten Petition

Doch der CO2-Ausstoß und der durch das Kraftwerk ausgestoßene Ruß sind nicht das einzige Problem der Anwohner. Schon in der Vergangenheit kam es zu Grundwasserprobleme und Häuser sind abgesackt. Und es könnte noch problematischer werden. Auch auf tschechischer Seite. Deswegen laufen gerade in allen drei Ländern Petitionen gegen den Weiterbetrieb von Tagebau und Kraftwerk. Trotzdem hat die polnische Behörde nun das vorzeitige "OK" gegeben.

Fragt sich nur warum? Weil Polen eigentlich keine andere Wahl hat. Denn das Land erzeugt mehr als 80 Prozent seiner gesamten Energie aus der Kohleverstromung. Man hat es schlichtweg verschlafen, auf andere Energien zu setzen. Einen Kohleausstiegsplan gibt es noch nicht. Und auch die Reduktion der betriebenen Tagebaue und Kraftwerke soll nur langsam geschehen.

Lösung in Sicht?

Streifenwagen der tschechischen PolizeiEine überraschende These stellte der Zittauer Oberbürgermeister in den Raum. Ich konnte ihn bei einem Pressetermin in Tschechien treffen. Dort erklärte er, dass derzeit geprüft wird, inwieweit deutsche Kohle nach Polen transportiert und hier verstromt werden könnte. Dadurch müsste der Tagebau Turow nicht so stark erweitert werden wie geplant. Für Kohlegegner ist das sicherlich keine gute Lösung. Für die Menschen in der Grenzregion, die täglich unter dem Tagebau leiden, aber mit Sicherheit eine gute Option.


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