FLORIAN GLATTER

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Als "herausragender Brückenbauer und Friedensstifter" beschreiben die Macher des Dresdner Semperopernballs al-Sisi. Ausgerechnet den Menschen, der in Ägypten in den vergangenen zwei Jahren schätzungsweise einhundert Menschen hinrichten ließ. Meist Opportunisten und Journalisten. Was dachte sich das Komitee dabei?


Ägyptens Staatspräsident al-Sisi (dpa)Der künstlerische Leiter des Semperopernballs, Hans Joachim Frey, übergab den St. Georgs Orden (den Politikpreis des Semperopernballs) gestern in Ägypten höchst persönlich. Man wolle einen Dialog schaffen, so Frey. Fragt sich nur mit wem? Denn eigentlich will der Semperopernball nichts mit der Politik zu tun haben. Man sieht sich als kulturellen Jahreshöhepunkt, der "dem MDR Fernsehen Top-Quoten beschert". Für Politik sei eigentlich kein Platz. Und trotzdem nutzte Frey die Gelegenheit dem ägyptischen Diktator noch etwas mit auf den Weg zu geben. Zum Abschluss des Gespräches soll Frey nach eigener Aussage Lob ausgesprochen haben. Al-Sisi habe sich in den vergangenen sechs Jahren seiner Amtszeit für die Kultur stark gemacht. Zum Beispiel Hochschulen und ein neues Opernhaus gebaut.

Al-Sisi brachte Stabilität

In der Begründung heißt es auch, dass man al-Sisi ehre, weil er nach seinem Putsch im Jahre 2013 Stabilität in das Land brachte. Klar, Ägypten ist so ziemlich das einzige Land in Nordafrika, in dem derzeit kein Krieg ausgetragen wird. In Lybien und Syrien zum Beispiel ist die Lage durchaus ernster und angespannter. Von Erleichterung und Frieden kann in Ägypten aber noch keine Rede sein. Noch immer müssen die touristischen Hochburgen mit massiven Militärschutz bewacht werden. Das Auswärte Amt hat noch immer eine Teilreisewarnung für das Land ausgesprochen und rät, große Menschenansammlungen zu meiden.

Al-Sisi - ein Einzelfall?

Beim Semperopernball am 7. Februar wird al-Sisi nicht anwesend sein. Das war den Veranstaltern dann wohl doch zu heikel. Anders sah es 2009 bei der Ehrung von Wladimir Putin aus. Auch da gab es Kritik gegen die Veranstalter, man könne den russischen Ministerpräsidenten nicht auszeichnen. 2016 dann erneut Kritik - diesmal an der Auszeichnung von Youssef bin Alawi bin Abdullah, dem Omanischer Außenminister. Und 2017 empörten sich die Medien über die Ehrung von einem saudischen Mitglied der Königsfamilie - Prinz Salman bin Abdulaziz bin Salman bin Muhammad al Saud. Ein Einzelfall ist die Verleihung also keineswegs. Unglück aber schon. Doch ich hätte auch einige weitere Preisträger. Wie wäre es mit Andreas Scheuer (dafür, dass die PKW-Maut voraussichtlich nur 500 Millionen Euro gekostet hat)?


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